Es war einmal ein Müller, der eine wunderschöne Tochter hatte. Als sie herangewachsen war, wünschte er sich, dass sie eine gute Partie machte. Bald kam ein wohlhabender Herr, der um ihre Hand anhielt, und obwohl der Müller nichts gegen ihn wusste, gab er gerne seinen Segen. Doch die Tochter fühlte ein seltsames Frösteln, wann immer sie ihren Bräutigam sah oder an ihn dachte. Etwas in seinen kalten Augen ließ ihr Herz unruhig werden, obwohl sie nicht sagen konnte, warum.
Eines Tages sagte der Bräutigam zu ihr: 'Du sollst meine Braut werden, doch hast du nie mein Heim besucht.' Das Mädchen zögerte und machte Ausreden, dass sie den Weg durch den dunklen Wald nicht kenne. 'Komm am nächsten Sonntag', drängte er mit einem Lächeln, das seine Augen nicht erwärmte. 'Ich werde Asche auf den Weg streuen, damit du dich nicht verirrst.' Obwohl sie von Angst erfüllt war, stimmte sie zu.
Als der Sonntag kam, füllte das kluge Mädchen ihre Taschen mit getrockneten Erbsen und Linsen, bevor sie sich auf den Weg machte. Während sie dem mit Asche markierten Pfad in den Wald folgte, streute sie die kleinen Samen bei jedem Schritt nach links und rechts. Die Bäume wurden dunkler und rückten näher zusammen, und die Luft wurde kalt und still. Sie ging den ganzen Tag, bis sie das Herz des Waldes erreichte.
Dort stand ein einsames Haus, düster und unwillkommen unter den schattigen Bäumen. Vorsichtig trat das Mädchen ein, fand es jedoch still und leer. Plötzlich rief ein Vogel in einem Käfig an der Wand: 'Kehr um, kehr um, du schöne Braut! In diesem Haus darfst du nicht verweilen, denn hier geschehen böse Dinge!' Die Warnung hallte durch die hohlen Räume.
Die Braut durchsuchte jedes Zimmer, fand aber keine lebende Seele, bis sie in den Keller hinabstieg. Dort saß eine sehr alte Frau, die ihren weißen Kopf nickte. 'Kannst du mir sagen, ob mein Bräutigam hier lebt?' fragte das Mädchen. Die alte Frau blickte mit traurigen Augen auf. 'Oh, armes Kind, du bist in ein Mördernest geraten! Dein Bräutigam will dich töten.'
'Schnell, versteck dich hinter diesem großen Fass', flüsterte die alte Frau dringend. 'Sei still wie eine Maus und rühre dich nicht. Wenn die Räuber heute Nacht schlafen, werden wir zusammen fliehen. Ich habe lange auf diese Gelegenheit gewartet.' Die zitternde Braut kauerte sich in den Schatten, ihr Herz pochte, während sie in der Dunkelheit wartete.
Bald stürmte die böse Bande durch die Tür und schleppte eine verängstigte junge Maid mit sich. Die arme Braut beobachtete voller Entsetzen aus ihrem Versteck, wie die Räuber ihre böse Tat feierten. Sie presste ihre Hand über den Mund, um nicht aufzuschreien, denn sie wusste, dass ein Laut ihren Tod bedeuten würde.
Ein Räuber bemerkte einen goldenen Ring am Finger des Opfers. Da er ihn nicht abziehen konnte, hob er seine Axt und hieb den Finger ab. Er flog durch die Luft und landete direkt im Schoß der Braut! Sie wollte fast schreien, fing sich aber gerade noch rechtzeitig. Der Räuber suchte mit einer Kerze, konnte ihn aber nicht finden, und bald rief die alte Frau sie zum Abendessen.
Die kluge alte Frau schlich Schlafpulver in ihren Wein. Bald lag jeder Räuber schnarchend auf dem Kellerboden. 'Jetzt!' flüsterte sie. Die Braut schlich vorsichtig zwischen den schlafenden Mördern hindurch, das Herz in der Kehle. Schritt für Schritt erreichten sie die Tür und flohen in die Nacht.
Der Wind hatte die Asche verweht, aber die Erbsen und Linsen waren im Mondlicht gekeimt und zeigten ihnen den Weg nach Hause! Dem Pfad der kleinen grünen Triebe folgend, die silbern im Mondschein leuchteten, eilten die beiden Frauen durch den Wald. Bei Tagesanbruch erreichten sie die Mühle, wo die Tochter ihrem Vater alles erzählte.
Als der Hochzeitstag kam, versammelten sich die Gäste und der Bräutigam erschien, so charmant wie eh und je. Während des Festes erzählte jeder Gast eine Geschichte. Als die Braut an der Reihe war, sagte sie: 'Ich will euch einen Traum erzählen, den ich hatte.' Und sie begann, alles zu berichten: das dunkle Haus, den warnenden Vogel, die Worte der alten Frau, die schreckliche Szene, die sie erlebt hatte.
'Und in meinem Traum', fuhr sie fort, 'fiel ein Finger mit einem goldenen Ring in meinen Schoß.' Der Bräutigam war totenbleich geworden. 'Hier ist dieser Finger!' rief sie und hielt ihn allen zur Schau. Der Schurke sprang auf, um zu fliehen, doch die Gäste packten ihn. Er und seine ganze Bande wurden der Gerechtigkeit zugeführt, und die mutige Müllerstochter war endlich frei.








