Es war einmal im alten China, da stand der prächtigste Palast der ganzen Welt, ganz aus zartem Porzellan gebaut, das im Sonnenlicht erstrahlte. Die Gärten des Kaisers erstreckten sich so weit, dass selbst der Gärtner nicht wusste, wo sie endeten, gefüllt mit wunderbaren Blumen, die mit silbernen Glöckchen geschmückt waren und leise im Wind klingelten.
Jenseits der Gärten lag ein edler Wald, der sich bis zum tiefblauen Meer hinabneigte. In einem der hohen Bäume lebte eine Nachtigall, deren Gesang so schön war, dass selbst die fleißigen Fischer ihre Arbeit unterbrachen, um zuzuhören. 'Oh, wie wunderbar!' sagten sie, bevor sie zu ihren Netzen zurückkehrten.
Reisende aus aller Welt schrieben Bücher, die den Palast und die Gärten des Kaisers lobten. Doch sie endeten immer damit, dass der Gesang der Nachtigall das schönste Wunder von allen war. Als diese Bücher den Kaiser erreichten, war er erstaunt. 'Eine Nachtigall? In meinem eigenen Garten? Warum hat mir niemand davon erzählt?'
Der Kaiser befahl seinem Kammerherrn, die Nachtigall sofort zu finden. Der Edelmann durchsuchte den Palast von oben bis unten und fragte jeden, aber niemand hatte von einem solchen Vogel gehört. Schließlich sagte ein armes kleines Küchenmädchen: 'Ich kenne die Nachtigall! Sie singt so süß, wenn ich durch den Wald nach Hause gehe.'
Die Hälfte des Hofes folgte dem Küchenmädchen in den Wald. Als eine Kuh brüllte, rief ein Höfling aus: 'Da ist sie!' Das Mädchen lächelte. 'Nein, das ist nur eine Kuh. Hört hin!' Dann kam der Gesang der Nachtigall, und da saß sie auf einem Ast - ein einfacher kleiner grauer Vogel.
An jenem Abend sang die Nachtigall vor dem ganzen Hof. Ein goldener Ast war in der Mitte des großen Saals aufgestellt worden, und als der kleine Vogel sang, rollten dem Kaiser Tränen über die Wangen. 'Das ist mein reichster Lohn', sagte die Nachtigall, 'Tränen in die Augen eines Kaisers zu bringen.'
Die Nachtigall bekam einen goldenen Käfig und durfte zweimal täglich fliegen, aber immer mit zwölf Dienern, die seidene Fäden an ihrem Bein hielten. Ganz China sprach von dem wunderbaren Vogel. Aber die Nachtigall sehnte sich nach der Freiheit ihres grünen Waldes.
Eines Tages kam ein prächtiges Geschenk aus Japan: eine künstliche Nachtigall, bedeckt mit Diamanten, Rubinen und Saphiren. Wenn man sie aufzog, konnte sie singen und ihren glitzernden Schwanz bewegen. 'Wunderbar!' rief der Hof. 'Sie müssen zusammen singen!' Aber die echte Nachtigall und die mechanische konnten nicht im Takt bleiben.
Der künstliche Vogel sang dreiunddreißig Mal, ohne müde zu werden. Während alle seine Juwelen und perfekten Walzer bewunderten, bemerkte niemand, wie die echte Nachtigall durch das offene Fenster hinausflog. Sie kehrte in ihren geliebten Wald zurück, und der Kaiser verbannte sie in seinem Zorn für immer aus dem Reich.
Fünf Jahre vergingen. Der mechanische Vogel war der größte Schatz des Reiches. Doch eines Abends machte es 'wzzzz' im Inneren - eine Feder war gebrochen. Ein Uhrmacher reparierte ihn so gut er konnte, aber er warnte, dass er nur noch einmal im Jahr singen könne. Groß war die Trauer im ganzen Land.
Dann erkrankte der Kaiser schwer. Kalt und blass lag er in seinem königlichen Bett und atmete kaum noch. Ein seltsames Gewicht drückte auf seine Brust. Als er die Augen öffnete, sah er den Tod dort sitzen, mit seiner goldenen Krone, seinem Schwert und seinem Banner.
'Musik! Musik!' rief der Kaiser schwach und versuchte, die geisterhaften Stimmen seiner vergangenen Taten zu übertönen. 'Kostbarer goldener Vogel, singe!' Aber der mechanische Vogel blieb stumm. Niemand war da, um ihn aufzuziehen. Der Tod starrte den Kaiser mit kalten, hohlen Augen an.
Plötzlich kam die schönste Musik durch das offene Fenster. Die echte Nachtigall hatte von der Krankheit des Kaisers gehört und war gekommen, um von Hoffnung zu singen. Während sie sang, lauschte der Tod selbst, verzaubert von ihrem Lied über stille Kirchhöfe, wo weiße Rosen blühen.
'Wirst du mir die goldene Krone, das Schwert und das Banner für ein Lied geben?' fragte die Nachtigall. Der Tod gab jeden Schatz für einen weiteren Vers auf, bis er wie ein kalter, weißer Nebel durch das Fenster schwebte. Die Kraft des Kaisers begann zurückzukehren.
'Du hast mein Leben gerettet', flüsterte der Kaiser, als das Morgenlicht den Raum füllte. 'Bleib immer bei mir.' Die Nachtigall lächelte. 'Ich kann nicht in einem Palast leben, aber ich werde jeden Abend kommen, um an deinem Fenster zu singen. Und erinnere dich - du hast einen kleinen Vogel, der dir alles erzählt.' Und sie flog in die Morgendämmerung davon.
