Es war einmal eine Zauberin, die drei Söhne hatte. Die Brüder liebten einander sehr, doch ihre Mutter misstraute ihnen. Sie fürchtete, sie könnten ihre magischen Kräfte stehlen. So verwandelte sie den ältesten Sohn in einen großen Adler, der hoch in den felsigen Bergen leben musste. Den zweiten Sohn verwandelte sie in einen mächtigen Wal, der in den tiefen Meeren schwamm. Jeder Bruder konnte nur für zwei Stunden am Tag seine menschliche Gestalt annehmen.
Der jüngste Sohn fürchtete, seine Mutter könnte auch ihn verwandeln, vielleicht in einen wilden Bären oder Wolf. So schlich er sich eines Nachts leise aus dem Haus. Er hatte von einer Prinzessin gehört, die unter einem Fluch im Schloss der Goldenen Sonne gefangen war. Viele tapfere junge Männer hatten versucht, sie zu retten, doch keiner war zurückgekehrt. Trotzdem war das Herz des jungen Mannes mutig, und er machte sich auf den Weg, das Schloss zu finden.
Nach vielen Tagen des Reisens wanderte er in einen großen Wald und verlor seinen Weg. Dort traf er zwei Riesen, die lautstark stritten. Sie kämpften um eine alte Mütze. Als sie den jungen Mann sahen, hielten sie an und riefen ihn. 'Kleiner Mann, du bist klüger als wir. Hilf uns zu entscheiden, wer diese Mütze bekommen soll!' Der junge Mann fragte, warum sie so einen alten Gegenstand wollten.
Die Riesen erklärten, dass es sich um eine Wunschmütze handelte. Wer sie trug, konnte sich sofort an jeden Ort der Welt wünschen. Der junge Mann hatte eine Idee. 'Ich werde weggehen', sagte er, 'und wenn ich rufe, müsst ihr zu mir rennen. Wer mich zuerst erreicht, gewinnt die Mütze.' Er setzte die Mütze auf, ging fort und dachte an die Prinzessin. Im Nu fand er sich auf einem hohen Berg wieder, direkt vor den Toren des Schlosses der Goldenen Sonne!
Er betrat das Schloss und suchte durch viele Räume, bis er die Prinzessin fand. Doch sie sah ganz anders aus, als er erwartet hatte. Ihr Gesicht war grau und faltig, ihre Augen stumpf und ihr Haar dünn und rot. 'Dies ist nicht meine wahre Gestalt', sagte sie traurig. 'Schau in diesen Zauberspiegel, und du wirst sehen, wer ich wirklich bin.' Im Spiegel sah er die schönste Jungfrau der Welt, mit Tränen, die über ihre Wangen rollten.
Die Prinzessin erzählte ihm, wie der Bann gebrochen werden könnte. 'Du musst die Kristallkugel finden und sie dem Zauberer vorhalten. Nur dann wird seine Macht zerstört, und ich werde frei sein.' Sie warnte ihn vor den Gefahren, die vor ihm lagen. Am Fuße des Berges lebte ein wilder Stier, und in dem Stier war ein feuriger Vogel, und in dem Vogel war ein brennendes Ei, das die Kristallkugel enthielt. Viele waren gestorben beim Versuch, aber der junge Mann hatte keine Angst.
Er ging hinunter zur Quelle, wo der wilde Stier wartete, schnaubend und brüllend. Nach einem langen und heftigen Kampf besiegte er das Tier mit seinem Schwert. Sofort brach ein feuriger Vogel heraus und flog in den Himmel! Doch just in diesem Moment kam sein Bruder, der Adler, aus den Wolken herabgeschossen. Der Adler jagte den Vogel über das Meer und schlug auf ihn ein, bis er sein brennendes Ei fallen ließ.
Das Ei fiel auf eine Fischerhütte in der Nähe des Ufers, und Flammen begannen sich auszubreiten. Doch dann erhoben sich enorme Wellen aus dem Meer! Sein Bruder, der Wal, war gekommen, um zu helfen, und schob große Wasserwände an Land, um das Feuer zu löschen. Als die Flammen erloschen waren, fand der junge Mann das Ei. Die Schale war im kalten Wasser zerbrochen, und darin lag die Kristallkugel, leuchtend und unversehrt.
Der junge Mann eilte zurück zum Schloss und hielt dem Zauberer die Kristallkugel vor. Die böse Magie zerschellte, und die Macht des Zauberers verschwand für immer. Der junge Mann wurde der König des Schlosses der Goldenen Sonne. Am besten war, dass er mit der Magie der Kristallkugel seinen beiden Brüdern ihre menschlichen Gestalten zurückgeben konnte. Der Adler und der Wal waren wieder junge Männer.
Dann ging der junge Mann, um die Prinzessin zu finden. Als er ihr Zimmer betrat, stand sie vor ihm in all ihrer wahren Schönheit, strahlend und lächelnd. Ihre graue Haut und ihr rotes Haar waren verschwunden. Sie waren so glücklich, dass sie sofort Ringe tauschten, und bald darauf heirateten sie. Die drei Brüder waren wieder vereint, die Prinzessin war frei, und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage im Schloss der Goldenen Sonne.

