Es war einmal ein Müller, der hatte drei Söhne. Als der Müller sehr alt wurde, hinterließ er seinen drei Söhnen nur drei Dinge: seine Mühle, seinen Esel und seine Katze. Der älteste Sohn nahm die Mühle, der zweite den Esel, und der jüngste bekam nur die Katze. Der jüngste Sohn war sehr traurig. Er dachte: 'Meine Brüder können zusammenarbeiten und Geld verdienen, aber was kann ich mit nur einer Katze anfangen?' Er setzte sich hin und seufzte. Die Katze, die sehr klug war und ihren jungen Herrn liebte, sprang neben ihn und sprach mit ruhiger Stimme. 'Sei nicht traurig, lieber Herr', sagte die Katze. 'Wenn du mir einen festen Beutel und ein Paar Stiefel gibst, werde ich dir helfen. Dein Anteil ist gar nicht so schlecht.' Der junge Mann war überrascht, seine Katze sprechen zu hören, aber er hatte sie schon viele kluge Tricks machen sehen, und so wuchs ein kleiner Hoffnungsschimmer in seinem Herzen. Er kaufte einen Beutel und ließ ein winziges Paar Stiefel für die Katze anfertigen. Als die Stiefel fertig waren, war der gestiefelte Kater entzückt. Er zog sie an und lief aufrecht auf seinen Hinterpfoten wie ein kleines Männchen davon.
Zuerst ging der Kater zu einem Ort, wo viele Kaninchen lebten. Er öffnete seinen Beutel und legte ein paar frische Karotten hinein. Dann legte er sich ganz still ins Gras, so als ob er schliefe. Bald hoppelte ein junges Kaninchen herbei, schnupperte an den Karotten und schlüpfte in den Beutel. Der Kater zog sanft die Schnüre zu und fing das Kaninchen. Dann ging er direkt zum Palast des Königs. Am großen Tor bat er höflich darum, den König zu sehen. Die Wachen starrten einen Kater in Stiefeln an, ließen ihn aber herein. Der Kater verbeugte sich tief vor dem König und sagte: 'Eure Majestät, ich bringe Euch ein feines Kaninchen aus den Ländereien meines Herrn, des Marquis von Carabas.' Dies war ein prächtiger Name, den der Kater für seinen armen jungen Herrn erfunden hatte. Der König war erfreut und lächelte. 'Richte deinem Herrn aus, dass ich ihm danke', sagte der König. Woche für Woche brachte der gestiefelte Kater Geschenke zum König. Der König begann zu glauben, dass dieser Marquis von Carabas ein sehr freundlicher und großzügiger Herr sein müsse.
Eines Tages hörte der Kater, dass der König plante, mit seiner Tochter, der schönen Prinzessin, am Fluss entlang zu reiten. Der Kater lief nach Hause und sagte zu seinem Herrn: 'Wenn du genau tust, was ich sage, wird dein Glück gemacht sein. Gehe zum Fluss und bade an der Stelle, die ich dir zeige.' Der junge Mann vertraute seiner klugen Katze. Er ging zum Fluss und stieg ins Wasser. Während er badete, versteckte der Kater sorgfältig die alten, abgetragenen Kleider seines Herrn hinter einem Busch. In diesem Moment rollte die Kutsche des Königs in die Nähe des Flusses. Der Kater begann laut zu rufen: 'Hilfe! Hilfe! Mein Herr, der Marquis von Carabas, ist im Wasser und hat seine Kleider verloren!' Der König hörte die Schreie und erkannte die Katze, die ihm so viele Geschenke gebracht hatte. Schnell sandte er Diener, um zu helfen. Sie zogen den jungen Mann aus dem Fluss und wickelten ihn in warme Tücher. Der König befahl, feine Kleider aus seiner eigenen Garderobe zu bringen. Als der junge Mann sie anzog, sah er hübsch und edel aus. Die Prinzessin lächelte ihn freundlich an. Der König lud den jungen Mann ein, in der königlichen Kutsche neben der Prinzessin Platz zu nehmen.
Der gestiefelte Kater lief mit schnellen Pfoten weit voraus der Kutsche. Er kam zu einigen Bauern, die auf einer großen grünen Wiese arbeiteten. 'Gute Leute', rief der Kater höflich, 'wenn der König kommt und fragt, wem diese Wiese gehört, sagt bitte, sie gehört meinem Herrn, dem Marquis von Carabas.' Die Bauern mochten die freundliche Katze in Stiefeln und stimmten zu. Als die Kutsche des Königs vorbeikam, schaute er heraus und fragte: 'Wem gehört dieses Feld?' Die Bauern antworteten, 'Es gehört dem Marquis von Carabas, Eure Majestät.' Der König wandte sich an den jungen Mann und sagte, 'Ihr habt eine sehr schöne Wiese, Marquis.' Der Kater lief weiter und sagte das gleiche zu den Erntehelfern in den goldenen Weizenfeldern. Überall entlang der Straße war es dasselbe. Wohin der König auch schaute, man sagte ihm, dass das Land dem Marquis von Carabas gehörte. Der König war sehr beeindruckt. Aber der Kater wusste, dass all dieses Land wirklich einem mächtigen Oger gehörte, der in einem großen Schloss am Ende der Straße wohnte.
Der gestiefelte Kater ging direkt zum Schloss des Ogers und bat höflich darum, den Herrn zu sehen. Der Oger ließ ihn herein, neugierig auf eine kleine Katze, die in Stiefeln lief. 'Herr', sagte der Kater, verneigte sich tief, 'ich habe gehört, dass Ihr Euch in jedes große Tier verwandeln könnt, wie einen Löwen. Stimmt das?' 'In der Tat kann ich!' sagte der Oger stolz. Im Nu verwandelte er sich in einen brüllenden Löwen! Der Kater war so erschrocken, dass er auf einen hohen Balken sprang, um sicher zu sein. Als der Oger sich zurückverwandelte, kletterte der Kater wieder herunter. 'Sehr beeindruckend', sagte der Kater. 'Aber ich habe auch gehört, dass Ihr Euch in etwas sehr Kleines verwandeln könnt, wie eine Maus. Das ist doch sicher zu schwer?' 'Zu schwer?' rief der Oger. 'Überhaupt nicht!' Sofort wurde er zu einer kleinen grauen Maus, die über den Boden lief. Blitzschnell sprang der Kater und fing die Maus! Der Oger war verschwunden, und das Schloss gehörte nun dem Kater und seinem Herrn. Der Kater eilte zum Tor, gerade als die Kutsche des Königs ankam.
Der Kater verbeugte sich tief und rief: 'Willkommen, Eure Majestät, im Schloss meines Herrn, des Marquis von Carabas!' Der König war erstaunt. 'Dieses schöne Schloss gehört auch Euch, Marquis?' fragte er. 'Nichts könnte prächtiger sein!' Der junge Mann reichte der Prinzessin die Hand, und zusammen folgten sie dem König in den großen Saal. Die Tische waren mit einem wunderbaren Festmahl gedeckt. Der König, die Prinzessin und der junge Mann setzten sich und genossen das köstliche Mahl. Der Kater saß in der Nähe auf einem weichen Kissen und schnurrte vor Vergnügen. Je mehr der König sah, desto mehr mochte er den Marquis von Carabas. Die Prinzessin mochte ihn noch mehr, weil er sanft, bescheiden und freundlich war. Schließlich lächelte der König und sagte: 'Mein lieber Marquis, wenn Ihr wollt, könnt Ihr meine Tochter heiraten.' Der junge Mann sagte, dass ihn nichts glücklicher machen könnte. So heirateten noch am selben Tag der Marquis von Carabas und die Prinzessin mit Musik, Blumen und großer Freude. Sie lebten im prächtigen Schloss und kümmerten sich freundlich um alle. Und der gestiefelte Kater? Er wurde die wichtigste Katze im Königreich, glücklich darüber, dass seine klugen Tricks seinem lieben Herrn ein wundervolles neues Leben beschert hatten.
