Es war einmal ein kleiner, dünner und lebhafter Schuster namens Meister Pfriem, der nie lange stillstand. Seine Nase war ein wenig nach oben gerichtet, sein Gesicht blass mit kleinen Flecken, sein graues Haar stand in alle Richtungen ab, und seine hellen kleinen Augen hüpften umher wie zwei winzige Vögel, die alles um sich herum beobachteten.
Er beobachtete alles, hatte zu allem eine Meinung und glaubte immer, er wüsste es am besten. Wenn er durch die Straßen ging, schwang er seine Arme, als ob er ein Boot ruderte. Einmal stieß er mit einem Mädchen zusammen, das Wasser trug, und der Eimer flog hoch und spritzte ihn von Kopf bis Fuß nass. "Dummes Ding!" rief er und schüttelte die Tropfen ab. "Konntest du nicht sehen, dass ich komme?"
In seiner kleinen Werkstatt zog Meister Pfriem den Faden so schnell und kräftig, dass jeder, der zu nah stand, von seinem Ellbogen gestoßen wurde. Kein Lehrling blieb lange, denn er fand in jedem Stich Fehler. "Die Stiche sind nicht gerade!" rief er eines Tages. "Dieser Schuh ist zu lang! Dieser Absatz ist zu hoch!" beklagte er sich am nächsten.
Wenn seine Frau das Feuer früh anzündete, sprang er barfuß aus dem Bett und rief: "Willst du das Haus abbrennen? Dieses Feuer könnte einen Ochsen braten!" Wenn die Diener beim Waschen plauderten, schimpfte er: "Da steht ihr wie Gänse, schwatzt und arbeitet nicht! Warum so viel Seife verwenden?"
Eines Tages, als er die Bauarbeiter auf der anderen Straßenseite beobachtete, murmelte er über ihren roten Stein und den sandigen Mörtel. Er eilte hinaus, um den Zimmerleuten zu sagen, dass ihre Balken nicht gerade seien, griff nach einer Axt, um es ihnen zu zeigen, ließ sie dann fallen, um einen Bauern über seine Pferde zu schimpfen. Als er zurückkehrte, reichte ihm sein Lehrling einen Schuh.
"Was ist das?" rief Meister Pfriem. "Ich habe dir gesagt, du sollst die Schuhe nicht so breit schneiden! Wer würde das kaufen?" Der Lehrling sagte leise: "Meister, du hast diesen Schuh selbst geschnitten und vom Tisch gestoßen, als du hinausgeeilt bist. Ich habe nur beendet, was du begonnen hast." Meister Pfriem hatte keine Worte zum Entgegnen.
In jener Nacht hatte Meister Pfriem einen seltsamen Traum. Er stieg einen leuchtenden Pfad zu den Toren des Himmels hinauf und klopfte laut an. "Warum gibt es hier keinen Klopfer?" murrte er. Der Apostel Petrus öffnete die Tür. "Ich lasse dich herein", sagte Petrus, "aber du darfst nicht an allem, was du siehst, etwas auszusetzen haben, sonst wirst du deinen Aufenthalt nicht genießen."
Meister Pfriem trat in die weiten, hellen Räume des Himmels ein, die von sanftem, mildem Licht erfüllt waren. Er sah zwei Engel, die einen langen Balken trugen, der schräg statt gerade war. "So eine dumme Art, ihn zu tragen!" dachte er, biss sich aber auf die Zunge. Sie gingen leicht weiter, ohne irgendwo anzustoßen.
Er sah zwei andere Engel, die Wasser in einen Eimer mit winzigen Löchern schöpften. Das Wasser lief auf allen Seiten heraus! "Das ist nutzlos!" dachte er. Dann fragte er sich: "Vielleicht wollen sie nur spielen. Vielleicht hat der Himmel sogar Zeit für Arbeit, die wie ein Spiel aussieht."
Er kam zu einem Wagen, der in einer tiefen Mulde stecken geblieben war, beladen mit guten Wünschen. Ein Engel spannte zwei Pferde an, dann brachte ein anderer Engel zwei weitere Pferde – aber er befestigte sie hinter dem Wagen! Meister Pfriem konnte nicht länger schweigen. "Was macht ihr da? Hat schon jemand gesehen, dass ein Wagen von hinten gezogen wird?"
In diesem Moment führte ein strahlendes Wesen Meister Pfriem fest zurück zum Tor. Als er sich ein letztes Mal umdrehte, sah er, wie der Wagen sanft in die Luft aufstieg! Die vier Pferde hatten breite Flügel ausgebreitet und trugen den Wagen leicht wie Vögel in die Höhe. Meister Pfriems Augen weiteten sich vor Staunen.
Meister Pfriem erwachte in seinem eigenen Bett, das Herz klopfte schnell. "Im Himmel sind die Dinge anders geordnet als auf Erden", sagte er leise. Er eilte in seine Werkstatt, immer noch so lebhaft wie eh und je. Doch tief in seinem Inneren blieb der Traum still bei ihm, wartend auf den Tag, an dem er endlich lernen könnte, zu schauen und zuzuhören, bevor er urteilte.








