In der Nacht vor seinem großen Tag saß ein netter Junge in seinem ruhigen Zimmer. Morgen würde er eine Krone tragen. Er war erst sechzehn. Er hatte einmal in einem kleinen Häuschen mit einem Ziegenhirten und seiner Frau gelebt. Er liebte es zu rennen, zu singen und die Tiere zu beobachten. Dann rief der alte König nach ihm und sagte: Du bist mein Enkel und wirst unser neuer König sein. Der Junge zog in einen prächtigen Palast. Er sah glänzende Böden, sanfte Lichter, süße Blumen und weiche Betten. Er liebte schöne Dinge. Er mochte helle Stoffe, winzige Edelsteine, glattes Marmor und hübsche Bilder. Er bat die besten Schneider, ein goldenes Gewand für seine Krönung zu nähen. Er bat um eine Krone mit roten Rubinen und ein Zepter, das mit Perlen besetzt war. Er dachte: Morgen werde ich wie ein wahrer König aussehen. Er lächelte und fühlte sich glücklich. Um Mitternacht fiel er in einen tiefen Schlaf und begann zu träumen. In seinem ersten Traum stand er in einem langen, niedrigen Raum voller surrender Webstühle. Die Luft fühlte sich schwer und feucht an. Männer und Frauen beugten sich über ihre Arbeit. Kinder saßen auf Balken, um die schweren Rahmen zu heben und zu senken. Ihre Gesichter sahen müde aus. Ihre Hände zitterten von langen Stunden. Der junge König fragte einen Weber: Wer ist dein Meister? Der Weber antwortete: Wir müssen viele Stunden für wenig Lohn arbeiten.
Wir sind frei zu gehen, aber wir sind nicht frei von Sorgen. Wir machen feinen Stoff, doch wir können uns nicht ausruhen. Der junge König sah einen goldenen Faden, der durch den Stoff lief. Was machst du da? fragte er. Der Weber antwortete: Den Mantel für den jungen König. Der Junge wachte erschrocken auf. Mondlicht schien durch das Fenster. Er fühlte sich unruhig. Er schlief wieder ein und hatte einen zweiten Traum. Er lag auf dem Deck eines großen Bootes. Viele Ruderer zogen die Ruder in der heißen Sonne. Ein großer Mann zählte mit einem Paar kleiner Waagen. Das Boot erreichte eine ruhige Bucht und ließ eine Leiter ins Meer hinunter. Ein junger Taucher holte tief Luft und kletterte hinunter. Blasen stiegen auf. Nach einer Weile kam er wieder hoch und hielt eine glänzende Perle. Jedes Mal, wenn er eine Perle brachte, wog jemand sie und bewahrte sie in einem kleinen Sack auf. Der junge König wollte sprechen, konnte aber nicht. Die Sonne brannte heiß und die Arbeit war hart. Schließlich brachte der Taucher eine Perle, die wie ein runder Mond geformt war. Er sah blass und sehr müde aus. Der Mann mit den Waagen lächelte und sagte: Diese Perle wird für das Zepter des jungen Königs sein. Der Junge wachte wieder auf. Die Dämmerung berührte den Himmel mit sanftem grauem Licht. Er fühlte sich noch unruhiger.
Er schlief ein drittes Mal ein und träumte, er sei in einem wilden Wald mit bunten Vögeln und hohen Blumen. Er erreichte einen trockenen Fluss, wo viele Menschen die Erde durchsuchten. Einige schwenkten Werkzeuge. Einige siebten Sand. Einige kletterten auf Felsen. Sie waren vorsichtig und schnell. Ihre Kleidung war zerrissen und ihre Füße schmerzten. Sie suchten nach roten Steinen. Der Junge flüsterte: Was suchen sie? Jemand antwortete: Rubine für die Krone eines Königs. Der Junge sah in einen silbernen Spiegel und sah sein eigenes Gesicht. Er wachte im warmen Licht des Morgens auf. Bald traten der Kammerherr und die Page mit dem goldenen Gewand, der Krone mit Rubinen und dem Perlenzepter ein. Sie waren sehr schön. Der junge König berührte den Stoff und erinnerte sich an die müden Weber. Er sah sich die Perlen an und erinnerte sich an den erschöpften Taucher. Er sah die roten Rubine und erinnerte sich an die Menschen im trockenen Fluss. Er sagte leise: Nehmt diese weg. Ich kann sie nicht tragen. Die Herren dachten, er mache einen Scherz. Das tat er nicht. Er erzählte ihnen von seinen drei Träumen. Einige lachten und sagten: Träume sind nur Träume. Sie sind nicht wichtig. Die Leute werden nicht wissen, dass du König bist, ohne reiche Kleidung. Der Kammerherr bat ihn: Bitte trage das Gewand und die Krone, damit die Leute dich erkennen.
Der junge König fragte: Werden sie mich nicht erkennen, wenn ich sie nicht trage? Der Kammerherr sagte: Nein, mein Herr. Der Junge wurde still. Er sagte: Ich werde gehen, wie ich gekommen bin. Er öffnete eine bemalte Truhe und zog seine alte Ledertunika und seinen groben Schaffellumhang an. Er nahm seinen einfachen Holzstab. Ein Page fragte: Wo ist deine Krone? Der junge König bog einen weichen wilden Dornbusch in einen Kreis und setzte ihn auf seinen Kopf. Dies wird meine Krone sein, sagte er. Er ging in die große Halle. Einige Adelige waren verärgert. Einige sagten: Er bringt Schande. Andere sagten: Er ist töricht. Der junge König sagte nichts. Er ging die Treppe hinunter, passierte die bronzenen Tore und ritt zur Kathedrale. Die Leute lachten und sagten: Der Königsgaukler reitet vorbei. Der Junge hielt an und sagte: Ich bin der König, und er erzählte ihnen von seinen Träumen. Ein Mann rief: Ein reicher Anblick gibt armen Menschen Arbeit. Ändert das nicht. Was könnt ihr heute tun, um uns zu helfen? Der junge König fragte: Sind die Reichen und die Armen nicht Brüder? Der Mann antwortete: Wir fühlen uns nicht wie Brüder. Tränen füllten die Augen des Jungen. Er ritt weiter. Sein kleiner Page bekam Angst und drehte um. An der großen Tür der Kathedrale senkten die Wachen ihre Hellebarden und sagten: Nur der König darf hier eintreten.
Ich bin der König, sagte der Junge, und ging hinein. Der alte Bischof erhob sich in Staunen. Mein Sohn, wo sind deine königlichen Kleider, fragte er. Mit welcher Krone soll ich dich krönen, und welchen Zepter soll ich dir in die Hand geben? Der junge König erzählte ihm von den Träumen. Der Bischof sagte sanft: Viele harte Dinge geschehen in der Welt. Du kannst nicht alles an einem Tag lösen. Trage den Umhang und die Krone. Lass den heutigen Tag fröhlich sein. Der Junge ging am Bischof vorbei und kniete vor dem Bild Christi nieder. Hohe Kerzen leuchteten. Ein sanfter blauer Rauch von Weihrauch stieg auf. Der Junge neigte seinen Kopf und betete schweigend. Draußen ertönte ein lautes Geräusch, und Adelige traten mit glänzender Rüstung und hohen Federn ein. Sie riefen: Wo ist dieser Träumer, der sich wie ein armer Junge kleidet? Der junge König beendete sein Gebet und stand auf. Sonnenlicht strömte durch die bunten Fenster. Die warmen Strahlen berührten ihn und schufen einen neuen Umhang um ihn, leichter als Luft und heller als Gold. Sein hölzerner Stab trieb aus, und winzige weiße Lilien öffneten sich wie Sterne. Der sanfte Dornenkranz blühte mit sanften roten Rosen. Die Lilien waren weißer als Perlen, und ihre Stiele schimmerten wie Silber.
Die Rosen waren roter als Rubine, und ihre Blätter schimmerten wie Gold. Eine große Stille erfüllte die Kathedrale. Musik erhob sich. Trompeten ertönten. Gesang erfüllte die Kuppel. Die Menschen knieten. Die Adligen legten ihre Schwerter weg. Die Hände des Bischofs zitterten. Er flüsterte: Ein Größerer hat dich gekrönt. Der junge König stieg von den hohen Stufen herab und ging durch die Menschen nach Hause. Niemand wagte, sein Gesicht anzusehen, denn es war still und hell wie das eines Engels. Von diesem Tag an liebte der junge König die Schönheit mit einem neuen Herzen. Er wählte gute Taten für sein Volk. Er bat die Handwerker, fair bezahlt zu werden. Er verlangte, dass schöne Dinge Freude bringen, ohne Schaden zu verursachen. Er trug einfache Kleidung, wenn er konnte, und wenn er feine Kleidung trug, fragte er zuerst, wie sie gemacht wurde. Er hörte den Armen und den Reichen zu. Er erinnerte sich an seine Träume. Er lernte, dass ein wahrer König nicht durch Gold, sondern durch Güte bekannt ist.






