Es war einmal eine arme Witwe, die mit ihrem einzigen Sohn Hans in einem kleinen Häuschen lebte. Sie hatten nur eine Kuh namens Milchweiß. Doch die Zeiten waren schwer, und eines Tages gab die Kuh keine Milch mehr. 'Wir haben nichts mehr zu essen', sagte Hans' Mutter mit Tränen in den Augen. 'Du musst Milchweiß auf den Markt bringen und sie verkaufen.' Hans nickte tapfer. Er liebte die alte Kuh, aber seine Mutter liebte er noch mehr.
Auf dem Weg zum Markt traf Hans einen seltsamen alten Mann mit einem langen Mantel und funkelnden Augen. 'Guten Morgen, junger Hans!' sagte der Mann. 'Wohin bringst du diese prächtige Kuh?' Als Hans es erklärte, lächelte der alte Mann geheimnisvoll. 'Ich gebe dir etwas Besseres als Gold - diese fünf Zauberbohnen!' Hans betrachtete die bunten Bohnen, die in der Hand des Mannes leuchteten. Etwas sagte ihm, dass sie wirklich magisch waren, und er machte den Tausch.
'BOHNEN?' rief Hans' Mutter, als sie sah, was er mitgebracht hatte. 'Du hast unsere einzige Kuh für eine Handvoll Bohnen eingetauscht?' Sie war so aufgebracht, dass sie die Bohnen aus dem Fenster in den Garten warf. Hans ging ohne Abendessen ins Bett und fühlte sich sehr traurig. Doch in jener Nacht, während alle schliefen, geschah im Garten etwas Magisches...
Als Hans am nächsten Morgen aufwachte, war sein Zimmer dunkel und grün. Er rannte zum Fenster und schnappte nach Luft! Eine riesige Bohnenranke war über Nacht gewachsen - so hoch, dass ihre Spitze in den Wolken verschwand! Der dicke grüne Stängel war bedeckt mit riesigen Blättern wie eine Leiter in den Himmel. Hans' Herz klopfte vor Aufregung. Ohne zu zögern begann er zu klettern.
Hans kletterte und kletterte, höher als die Vögel, höher als die Wolken, bis er schließlich ein seltsames Land im Himmel erreichte. Vor ihm stand ein riesiges Schloss aus grauem Stein, größer als alles, was Hans je gesehen hatte. An der Tür saß eine riesige Frau, so hoch wie ein Baum! 'Bitte, gnädige Frau', sagte Hans höflich, 'ich habe großen Hunger. Könnten Sie mir etwas zum Frühstück geben?' Die Frau des Riesen schaute freundlich auf ihn herab. 'Du armes kleines Ding! Komm schnell herein, bevor mein Mann zurückkommt!'
Die Frau des Riesen hatte Hans gerade etwas Brot und Milch gegeben, als - BOOM! BOOM! BOOM! Das ganze Schloss erbebte unter donnernden Schritten. 'Schnell! Versteck dich im Ofen!' flüsterte die Frau. Hans sprang hinein, gerade als die Tür aufbrach. Herein stürmte der größte Mann, den Hans je gesehen hatte - der RIESE! 'FEE-FI-FO-FUM!' brüllte er. 'ICH RIECHE DAS BLUT EINES ENGLÄNDERS! SEI ER LEBEND ODER SEI ER TOT, ICH MALE SEINE KNOCHEN ZU MEINEM BROT!'
'Unsinn, Liebling,' sagte die Frau des Riesen gelassen. 'Du riechst nur den Jungen, den ich gestern zum Frühstück gekocht habe.' Der Riese setzte sich und aß eine riesige Mahlzeit, dann rief er nach seiner Henne. Zu Hans' Erstaunen legte die Henne, als der Riese 'Leg!' sagte, ein goldenes Ei! Als der Riese mit einem donnernden Schnarchen einschlief, schlich Hans heraus, schnappte sich die magische Henne und rannte so schnell er konnte zur Bohnenranke.
Hans kehrte als Held nach Hause zurück! Die magische Henne legte jeden Tag ein goldenes Ei, und Hans und seine Mutter waren nicht mehr arm. Doch Hans konnte nicht aufhören, an das Schloss des Riesen zu denken. Eines Tages kletterte er wieder die Bohnenranke hinauf. Dieses Mal hatte der Riese Säcke voller Goldmünzen! Hans wartete, bis der Riese schlief, dann nahm er leise einen Sack und entkam. Seine Mutter flehte ihn an, nie zurückzukehren, aber Hans fühlte sich zu einem weiteren Schatz hingezogen...
Bei seinem dritten Besuch entdeckte Hans den wunderbarsten Schatz des Riesen - eine magische goldene Harfe, die die schönste Musik von selbst spielte! Doch als Hans die Harfe packte, rief sie 'HERR! HERR!' Der Riese wachte mit einem schrecklichen Gebrüll auf und jagte Hans zur Bohnenranke! Hans kletterte schneller als je zuvor, während der wütende Riese hinter ihm die ganze Bohnenranke zum Beben brachte!
In dem Moment, als Hans' Füße den Boden berührten, rief er: 'MUTTER! BRING MIR DIE AXT!' Hans schwang die Axt mit aller Kraft - HACK! HACK! HACK! Die Bohnenranke begann zu fallen, und der Riese stürzte mit einem gewaltigen KRACH herunter, der das ganze Land erschütterte! Und so lebten Hans und seine Mutter glücklich bis ans Ende ihrer Tage, mit der magischen Henne, der goldenen Harfe und genug Schätzen, um alle ihre Tage zu verbringen. Und das ist die Geschichte von Hans und die Bohnenranke.
