Es war einmal eine winzige Hütte, die zwischen den Wurzeln einer alten Eiche versteckt lag. Dort hatten Pip die Maus und Oliver der Kater das gemütlichste Zuhause geschaffen, das man sich vorstellen konnte. Die Küche leuchtete in warmem, goldenem Licht, Kupfertöpfe hingen von der Decke, und der Duft von frischem Brot erfüllte die Luft. Pip summte, während sie ihre Gewürzgläser ordnete – natürlich alphabetisch. Oliver streckte sich auf einem Flickenkissen am Feuer, sein flauschiger, orangefarbener Schwanz schwang zufrieden hin und her. Sie waren die unwahrscheinlichsten Mitbewohner, aber irgendwie funktionierte es perfekt.
Aber Oliver hatte eine geheime Sorge, die ihn nachts wach hielt. Bevor er Pip traf, war er allein durch die Straßen gewandert, kalt und hungrig. Die Erinnerung ließ seinen Magen knurren, selbst wenn er satt war. 'Was, wenn der Winter kommt und es kein Essen gibt?' flüsterte er sich selbst zu, seine großen grünen Augen weit vor Sorge. Pip bemerkte die unruhigen Nächte und sanften Seufzer ihres Freundes. 'Wir brauchen einen Plan', entschied sie, während sie seine Pfote tätschelte. 'Einen Winter-Schatz!'
Gemeinsam fanden sie das wunderbarste Glas mit goldenem Honig, durchzogen von knusprigen Haselnüssen – die Art, die einem schon beim Gedanken daran die Schnurrhaare kribbeln ließ. 'Wo sollen wir es sicher aufbewahren?' fragte Oliver, seine Nase zuckte bei dem süßen Duft. Pip dachte sorgfältig nach. 'Die alte Kapelle auf dem Hügel! Dort würde niemand suchen.' Also trugen sie ihr kostbares Glas den gewundenen Pfad hinauf und versteckten es unter dem staubigen Altar, wo Regenbogenlicht durch bunte Glasfenster strömte. 'Für den Winter', versprachen sie einander. 'Wir rühren es bis dahin nicht an.'
Aber oh, dieser Honig! Oliver konnte nicht aufhören, an ihn zu denken. Er träumte von goldener Süße, die von einem Löffel tropfte. Er wachte auf und leckte sich die Lippen. Eines Morgens hatte er eine Idee – eine heimliche, nicht sehr gute Idee. 'Pip!' verkündete er dramatisch. 'Mein Cousin hat ein Kätzchen bekommen! Sie wollen, dass ich der Pate werde. Ich muss einfach zur Zeremonie gehen!' Pip schaute von ihrem Stricken auf. 'Wie wunderbar! Richte ihnen meine besten Wünsche aus.' Als Oliver zur Tür hinaus hüpfte, hing sein schuldiger Schwanz ein wenig.
Oliver ging zu keiner Zeremonie. Er huschte direkt zur Kapelle, sein Herz pochte. Das Glas stand dort und leuchtete im bunten Licht. 'Nur ein kleines Lecken', versprach er sich. 'Pip wird es nie erfahren.' Aber ein Lecken wurde zu zwei, wurde zu drei, wurde – oops – die ganze obere Schicht war weg! Danach lag Oliver auf einem sonnigen Fenstersims und versuchte, unschuldig zu wirken. Als er nach Hause kam, fragte Pip fröhlich: 'Wie haben sie das Kätzchen genannt?' Olivers Verstand war leer. 'Äh... Tip-Top!' Pip legte den Kopf schief. 'Was für ein ungewöhnlicher Name!' Oliver zuckte nur mit den Schultern und tat so, als würde er schlafen.
Tage vergingen, aber Olivers Pfoten führten ihn in seinen Träumen immer wieder zur Kapelle. Der Honig rief ihn wie ein Lied, das nur er hören konnte. 'Pip!' verkündete er eines Morgens noch dramatischer als zuvor. 'Noch ein Cousin! Noch ein Kätzchen! Sie brauchen mich dringend!' Pip stellte ihre Teetasse langsam ab. 'Noch eine Patenkätzchen-Zeremonie? So bald?' Oliver nickte so heftig, dass seine Ohren wackelten. 'Es ist Kätzchensaison!' erklärte er, während er zur Tür zurückwich. 'Sehr beschäftigt! Sehr wichtig! Tschüss!'
In der Kapelle versuchte Oliver vorsichtig zu sein. 'Nur bis zur Hälfte', sagte er sich fest. Aber der Honig war SO köstlich, vermischt mit dem Knuspern der Haselnüsse, dass er, bevor er es wusste, das halbe Glas leer war. Sein Bauch fühlte sich wunderbar voll an, aber sein Herz fühlte sich seltsam schwer an. An diesem Abend fragte Pip nach dem Namen des Kätzchens. Oliver, der immer noch Honig auf den Schnurrhaaren schmeckte, platzte heraus: 'Halbmond!' Pip schrieb es in ihr kleines Notizbuch, ihre Augenbrauen hoben sich. 'Tip-Top... Halbmond... Deine Familie hat sehr ungewöhnliche Namensgewohnheiten, Oliver.'
Oliver versprach sich selbst, nicht zurückzugehen. Er meinte es wirklich, wirklich ernst. Aber der Winter kam – er konnte es in seinen Schnurrhaaren spüren – und das alte hungrige Gefühl schlich sich wieder in seinen Bauch. Was, wenn der Honig nicht da war, wenn sie ihn brauchten? Was, wenn jemand anderes ihn fand? Er MUSSTE nachsehen, ob er sicher war. 'Noch ein Patenkätzchen!' rief er, schon halb zur Tür hinaus. 'Ein schwarzes! Sehr selten! Muss los!' Pip schaute nicht einmal von ihrem Buch auf. 'Mmhmm', sagte sie, aber ihre Stimme klang irgendwie anders.
Oliver konnte sich nicht zurückhalten. Lecken für Lecken beendete er jeden goldenen Tropfen. Er kratzte die Seiten ab. Er leckte den Boden. Als er fertig war, starrte nur sein schuldiges Spiegelbild aus dem leeren Glas zurück. Sein Bauch war voll, aber zum ersten Mal schmeckte der Honig... bitter. Er trottete langsam nach Hause, seinen Schwanz hinter sich herziehend. 'Der Name des Kätzchens?' fragte Pip leise. Oliver konnte es kaum flüstern: 'Alles-Weg.' Pips Stift hörte auf zu schreiben. In der Stille hörte Oliver sein eigenes Herz pochen.
Die ersten Schneeflocken fielen an einem grauen Novembermorgen. 'Zeit für unseren Winter-Schatz!' verkündete Pip, während sie ihren winzigen Schal anzog. Olivers Magen sank. Er folgte ihr den gewundenen Pfad hinauf, jeder Pfotenschritt fühlte sich schwerer an als der letzte. In der Kapelle griff Pip mit ihren kleinen Pfoten unter den Altar – und zog das leere Glas hervor. Sie hielt es in das Regenbogenlicht. Nichts funkelte darin. Nur Leere. Sie drehte sich zu Oliver um, ihre leuchtenden Augen füllten sich mit Tränen. 'Tip-Top... Halbmond... Alles-Weg. Die NAMEN, Oliver. Es waren gar keine Kätzchen, oder?'
Oliver konnte nicht weglaufen. Er konnte sich nicht verstecken. Er setzte sich schwer hin, sein flauschiger Schwanz um seine Pfoten gewickelt, und erzählte Pip zum ersten Mal die Wahrheit. Von den kalten Straßen. Von den hungrigen Nächten. Von der Angst, die nie ganz verschwand, selbst in ihrem warmen kleinen Zuhause. 'Ich hatte solche Angst, wieder hungrig zu sein, dass ich... ich alles ruiniert habe', flüsterte er. 'Es tut mir so leid, Pip.' Die Kapelle war still, außer dem Schnee, der gegen die Fenster klopfte. Pip sagte kein Wort. Sie ging einfach weg und ließ Oliver allein mit dem leeren Glas.
Drei lange Tage lang entschuldigte sich Oliver nicht nur mit Worten – er zeigte Pip, dass er sich ändern konnte. Er sammelte Haselnüsse, bis seine Pfoten schmerzten. Er tauschte sein Lieblingskissen gegen einen Topf Honig. Er füllte ihre Speisekammer mit mehr Wintervorräten, als sie je essen konnten. Am vierten Tag ließ er ein neues Glas vor Pips Tür mit einem Zettel: 'Ich kann nicht rückgängig machen, was ich getan habe. Aber ich kann jeden Tag besser werden, wenn du mich lässt.' Als Pip ihre Tür öffnete, Schneeflocken um sie herum tanzend, sah sie Olivers hoffnungsvolles, besorgtes Gesicht. 'Vertrauen braucht Zeit, um wieder aufgebaut zu werden', sagte sie leise. 'Aber... ich bin bereit, es zu versuchen.' Und als sie das Glas zusammen ins Haus trugen – diesmal in IHRE Speisekammer – fühlte sich der Winter nicht mehr so kalt an.








